Metropolis und der Ursprung unserer Zukunft

Letzte Woche hatte ich die seltene Gelegenheit, den absoluten Klassiker der SF-Filme nicht nur auf der großen Leinwand zu bewundern, sondern in der Kombination mit hervorragender Live-Filmmusik: Metropolis und die Dortmunder Philharmoniker. In der Zusammenarbeit mit der Europäischen Filmphilharmonie brachten Generalmusikdirektor Gabriel Feltz und sein Orchester die mehr als 2-stündige Originalfilmmusik von Gottfried Huppertz im Konzerthaus Dortmund auf die Bühne.

Es ist schon faszinierend zu erleben, wie mehr als 70 Menschen auf der Bühne einen Klassiker zu neuem (oder altem?) Leben erwecken. Nachdem ich die von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restaurierte Fassung von Metropolis – also die inklusive der 2008 in Buenos Aires entdeckten Szenen – vor ein paar Jahren schonmal zuhause auf dem 24-Zoll-Bildschirm und mit Computer-Boxen gesehen hatte und eher mäßig begeistert war, hat mich diese Live-Fassung mit komplettem Orchester extrem beeindruckt.

Dabei ist mir insbesondere aufgefallen, wie sehr sich Fritz Lang und seine Frau und Drehbuch-Autorin  Thea von Harbou in der Konstruktion ihrer zukünftigen Gesellschaft an der klassischen marxschen Klassentheorie orientiert haben und diese, neben dem Motiv  der alles verschlingenden Maschinen, in Bilder umgesetzt haben.  Besonders eindrucksvoll sind dabei sicherlich der “Moloch” und das Bild der manuell zu bedienenden “Uhr”. Auch das Motiv der Überwindung der Sterblichkeit durch die Schaffung mechanischer Menschen oder Androiden findet sich in Metropolis. Gut vermischt mit der Verführung der Massen durch den falschen Propheten.

Während des Films habe ich mich immer wieder bei dem Gedanken “Krass, wie sehr die Ideen damals schon unseren heutigen ähneln” ertappt. So erinnert beispielsweise das Set frappierend an Blade Runner oder auch Das fünfte Element. Das ist jedoch keineswegs Zufall oder eine besondere prophetische Fähigkeit von Lang oder von Harbou. Vielmehr ist es der Film Metropolis (gedreht 1925/26), der nach wie vor unsere Vorstellung von der Zukunft prägt. Metropolis sieht demnach nicht aus wie Das fünfte Element, sondern Das fünfte Element hat seinen Look von Metropolis übernommen – vermutlich mit voller Absicht. Das zeigt aber natürlich auch, dass selbst ein vorwärtgewandtes Genre wie die Science Fiction nach wie vor massiv von seiner Geschichte und seinen Wurzeln geprägt wird.

Wer also die Chance hat, sich Metropolis auf der großen Leinwand anzuschauen – im Idealfall sogar begleitet von einem Live-Orchester – sollte sich diese Möglichkeit nicht entgehen lassen. Es ist eine Reise in die Vergangenheit, die aber nach wie vor unsere Zukunft darstellt.

Zum Abschluss noch die Moral von der Geschicht, für alle Wissenschaftler und Planer: #dotropolis

Ein von Nils Müller (@weltenkreuzer) gepostetes Foto am

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