Episode 34 mit wechselnden Loyalitäten, gravierter Magie und dem Turm zu Babel

Nach übersinnlichen Kräften und Flucht gibt es auch im Oktober wieder ein Thema, das alle drei Romane vereint. Und wieder war das nicht wirklich Absicht, weil ich eigentlich bei keinem der drei Bücher vorher wirklich wusste, worum es eigentlich geht. Das Thema ist diesmal Kriminalität in all ihren (Fantasy-)Facetten.

Das Lied der Krähen (Six of Crows) von Leigh Bardugo

Das Lied der Krähen von Leigh Bardugo ist ein Heist-Roman, wie er klassischer kaum sein könnte – nur eben in einem Fantasy-Setting: Der junge Meisterdieb Kaz Brekker erhält den Auftrag, einen Wissenschaftler aus der als uneinnehmbar geltenden Festung Djerholm zu befreien. Er sammelt ein Team aus sehr unterschiedlichen Charakteren um sich und macht sich auf den Weg in den Norden.

Wie es sich für einen Heist-Roman gehört, bietet “Das Lied der Krähen” einen raffinierten Plan, mitreißende Action und komische wie tragische Momente zwischen den Figuren. Letztere sind dabei besonders gut ausgearbeitet und zeigen nicht nur ihre überragenden Fähigkeiten, sondern auch individuelle Schwächen und Unsicherheiten. Die Handlung ist hingegen sehr geradlinig und eher vorhersehbar.

Foundryside von Robert Jackson Bennett

Robert Jackson Bennets Foundryside beginnt wie ein klassischer “Dieb in der Fantasy-Stadt”-Roman: Die junge Meisterdiebin Sancia bekommt den Auftrag, eine mysteriöse Box aus einem Safe zu stehlen. Doch damit könnte sie den Lauf der Welt verändern.

Klingt ziemlich generisch, oder? Doch Robert Jackson Bennet gewinnt dem mittlerweile vielleicht ein wenig ausgelutschten Genre faszinierende neue Seiten ab: Eine anarcho-kapitalistische Dystopie, ein Magiesystem, das ähnlich zentral für die Gesellschaft ist wie Strom und Computer für uns, und eine vielschichtige und schwer zu durchschauende Hauptfigur. Das ist wirklich erwachsene Fantasy.

Im Turm (Senlin Ascends) von Josiah Bancroft

Auf ihrer Hochzeitsreise zum berühmten Turm von Babel werden Thomas Senlin und seine Frau Marya getrennt. Im Chaos des Vorplatzes finden sie sich nicht wieder und so macht sich Thomas auf die Suche nach seiner Frau und steigt nach und nach den Turm empor, der sich als weniger malerisch entpuppt, als der Reiseführer behauptet.

Star des Buchs ist ganz klar der Turm und die Welten, die sich in ihm entwickelt haben. Die Handlung ist vielfältig und wendungsreich, wenn auch vielleicht etwas überladen. Dafür fährt Bancroft eine sehr spannende und metaphorische Kapitalismuskritik auf. Auf jeden Fall mal wieder ein lesenswerter und etwas anderer Fantasy-Roman abseits ausgetretener Pfade.

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